Das Running Man Remake hat mich überrascht und zugleich schockiert

Es gibt diese seltenen Kinobesuche, an denen man den Saal verlässt und nicht sofort weiß, was man eigentlich empfindet. Was eigentlich gut ist. Beim Joker ist mir das vor paar Jahren auch schon mal passiert. Und eben auch gestern, als ich das Running Man Remake gesehen habe. Ich bin reingegangen mit einer gewissen Erwartungshaltung, ein bissl beeinflusst davon, dass Edgar Wright gerade bei solchen Stoffen oft sein eigenes Ding durchzieht. Und trotzdem hat mich der Film an Stellen erwischt, an denen ich es gar nicht geplant hatte.

Die Welt, die er zeigt, wirkt bedrückend real, fast schon unangenehm nah. Diese Zukunft, die gar nicht so weit weg erscheint, in der Medikamente Luxus sind und Menschen mit jeder Extra-Schicht versuchen, irgendwie über die Runden zu kommen. Irgendwie hat mich das mehr getroffen als die eigentliche Action, obwohl die natürlich ordentlich drüber ist. Aber diese Mischung aus sozialem Abgrund und Entertainment Maschine, dieses FreeV, das dich beobachtet während du zuschaust, das hat mich seltsam still gemacht.

Ben Richards als Figur ist intensiv, aber nicht immer zugänglich. Ich hätte gern mehr über seine innere Welt erfahren, über seine Ängste und nicht nur über seine Wut. Trotzdem, Glenn Powell bringt eine rohe Energie mit, die gut in diese zerbrochene Welt passt. Josh Brolin und Colman Domingo ergänzen das Ganze, als wären sie zwei unterschiedliche Spiegel einer kaputten Gesellschaft, nur halt aus verschiedenen Blickwinkeln gebrochen.

Was mich am meisten überrascht hat, war der Mut des Films, sich stellenweise völlig in Anarchie zu verlieren. Was mich schockiert hat, war, dass er dann plötzlich wieder zurückrudert. Vielleicht gerade deshalb bleibt er so schwer einzuordnen. Aber er bleibt.