Was habe ich verpasst? Leute? Wann wir eigentlich begonnen haben, Tränen als Marketingstrategie zu akzeptieren. Nicht laut, nicht empört, sondern ganz leise, fast unbemerkt. Also ich nicht und deswegen muss ich hier jetzt auch mal mein Senf dazu geben.
In den letzten Wochen sehe ich immer wieder Videos, in denen finanzielle Probleme inszeniert werden wie ein Drama in drei Akten. Hohe Steuernachzahlungen, gescheiterte Investments, insolvente Geschäftspartner. Alles reale Risiken, ja. Aber was mich irritiert, ist nicht das Scheitern, sondern die Erwartung dahinter. Dieses subtile „Nur ihr könnt mir helfen“.
Da werden Hoodies im Vorverkauf angeboten, als letzte Rettung eines „Herzensprojekts“. 70 Euro, teilweise mehr. Emotional unterlegt, mit Pathos erzählt. Und währenddessen reden wir von Menschen, die zuvor fünfstellige Monatsbeträge verdient haben. Das ist kein Existenzkampf. Das ist fehlende Rücklage, vielleicht auch fehlende Demut.
Ich will niemandem absprechen, dass Fehler passieren. Unternehmerisches Risiko ist real. Aber wenn aus jedem Fehlkalkül Content wird und aus jedem Rückschlag ein Spendenaufruf, dann kippt etwas. Dann wird Mitgefühl zur Währung.
Sashka hat genau dieses Muster aufgezeigt, und ich musste mehr als einmal zustimmend nicken. Nicht jedes Problem ist ein Schicksalsschlag. Und nicht jede Community ist verpflichtet, für Managementfehler einzustehen.
Vielleicht liegt die eigentliche Verantwortung bei uns. Kritischer zu sein. Nicht jede Geschichte sofort zu glauben. Und nicht jedes „Herzensprojekt“ mit unserem Geld zu retten, nur weil jemand traurig schaut.